Nur 20% dessen, was bei Weiterbildungen vermittelt wird, wird auch in der Praxis umgesetzt

Dazu gibt es mehrere aktuelle Studien. Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Durchschnitt nur 20 % des Erlernten tatsächlich nach Weiterbildungen umgesetzt wird. So betrachtet, wird in Unternehmen viel Geld zum Fenster hinaus geschmissen. Lesen Sie hier, warum das so ist und erste Ansätze zur Optimierung.

Bei meiner Arbeit im LEAN- / KAIZEN-Bereich in Personalabteilungen ist mir bewusst geworden, wie viel Geld regelmäßig verschwendet wird. Eine Optimierung von Prozessen und Arbeitsplätzen dagegen kann vernachlässigt werden. Denn: Ein durchschnittlicher Trainer kostet Ihnen pro Tag ca. 1.800 €. Zum Seminar werden zehn Teilnehmer eingeladen. Die Kosten für die Arbeitszeit von zehn Teilnehmenden pro Tag schlagen mit ca. 4.000 € zu Buche. Geht es zusätzlich in ein Tagungshotel, fallen noch Reise- und Hotelkosten an. Teurer Spaß für eine eintägige Weiterbildungsmaßnahme ohne wirksamen Praxistransfer.

Frage ich in den Firmen: „Ist Ihnen die Umsetzung des Erlernten bei Weiterbildungen wichtig?“ Ist das eine grundsätzlich bejahende Frage. Deshalb ist so unverständlich, dass in vielen Firmen nicht mehr Wert auf Umsetzung gelegt wird.

Was sind die Gründe für die extrem niedrige Umsetzungsrate des Erlernten?

  1. Es gibt keine zertifizierte Ausbildung für Trainer zum Thema Trainingsdesign. Viele sind selbsternannte Experten in Ihrem Fach. Haben eine sehr hohe fachliche Qualifikation. In den Seminaren gibt es regelmäßig eine Folienschlacht. Das Thema „Transferplanung“ mit den Teilnehmern gerät in den Hintergrund, da es häufig darum geht, möglichst viel Wissen zu präsentieren. Auch das „aktive Üben“, das 30 % der Trainingszeit einnehmen sollte, wird vernachlässigt.
  2. Die Personalentwicklung und Führungskräfte gehen häufig davon aus, dass es alleine der Job des Trainers ist, für die Umsetzung zu sorgen. Das ist jedoch eine falsche Erwartungshaltung. Die Weiterbildungsmaßnahme selbst ist nur ein kleines Beiwerk, auch wenn der Trainer sehr gut im Weiterbildungsdesign ist (siehe Punkt 1) und in der Maßnahme aktuelle Problematiken bearbeitet.
    Insgesamt sind es drei Bereiche, die für eine transferwirksame Weiterbildung wichtig sind: Der Teilnehmer selbst, wie bereits aufgeführt – das Weiterbildungsdesign und die Organisation selbst.
  3. Vorgesetzte bzw. die Organisation werden nicht eingebunden. Da Verhaltensveränderung nicht von heute auf morgen funktioniert, benötigen Teilnehmende weitere Unterstützung. Vorgesetzte sind weisungsbefugt und verteilen die Aufgaben in den entsprechenden Teams. Wird nicht genügend Zeit zur Verfügung gestellt für die Anwendung und Umsetzung, war die Investition umsonst.
    Viele Vorgesetzte wissen überhaupt nicht, dass sie wesentlich für den Erfolg von Weiterbildungen beitragen. Dass im Vorfeld der Maßnahme die Ziele, die Erwartungen und die Umsetzung mit dem Teilnehmenden geklärt werden sollte. Dass Feedback bei der Umsetzung nötig ist und dass erfolgreiche Weiterbildung eine Zusammenspiel der drei Bereiche (Teilnehmender, Trainer und Organisation) ist.
  4. Es fehlt an einer professionellen Überprüfung, ob die Maßnahme in die Umsetzung gebracht worden ist. Damit meine ich nicht, die Zufriedenheit der Teilnehmer, die regelmäßig mit sogenannten „Happy Sheets“ erhoben wird. Sondern: Gibt es Kennzahlen? Bei einem Verkaufstraining gibt es genügend Messgrößen, an denen die Umsetzung ersichtlich ist. Schwierig wird es bei einem Projektmanagementtraining oder einem Zeitmanagementseminar. Aber auch da gibt es Wege. Zum Beispiel können Teilnehmer die Praxisanwendung der neu erworbenen Kenntnisse präsentieren.
    Auch sollte das Zertifikat für den Lehrgang erst nach erfolgreicher Anwendung des Erlernten übergeben werden und nicht wie üblich am Ende einer Seminarreihe. Somit könnte ein Strohsack ebenfalls ein Zertifikat für erfolgreiche Teilnahme erhalten.

An dieser Stelle könnte ich noch viele weitere Gründe angeben.

Es gibt auch einen Weg hin zu transferwirksamer Weiterbildung. Gemeinsam mit dem Institut für Transferwirksamkeit helfe ich Unternehmen dabei, dass zukünftig der Lernerfolg mit Praxistransfer stattfinden kann. Das eingesetzte Geld für Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll investiert wird zur Erreichung unternehmerischen Ziele. Sie möchten wissen wie das in Ihrem Unternehmen funktionieren kann? Und wie Ihnen die 12 Stellhelbel der Transferwirksamkeit weiterhelfen können? Ich freue mich auf Ihren Kontakt!

Christine Tuchscherer – hello@team-tuchscherer.de – Tel.: 08806-95 88 310